mittsommer
2009 / kinofilm
für filmpool, iris kiefer

gefördert von der filmstiftung NRW





ein vom leben verwüsteter dirigent, wilhelm (67), muss aus geldnot ein angebot in einem land annehmen, in das er nie wieder wollte: dänemark. warum, das hat er nie jemanden wissen lassen.


Szene aus MITTSOMMER


in kopenhagen angekommen, flieht er regelrecht in seine arbeit, die durch sein unruhiges wesen schnell in ein fiasko zu steuern droht. schon bald wird er zu seiner überraschung von einer alten frau angesprochen, die in ihm ihren verlorenen vetter zu erkennen glaubt. dies löst einen regelrechten sturz an erinnerungen aus: wie ca. 8-9000 andere kinder war wilhelm ein produkt der kriegsjahre, ein "deutschenkind". seine mutter war dänin, sein vater ein deutscher, ein deutscher soldat. und so sehr seine eltern ihn auch geliebt haben, so sehr änderte sich alles nach 1945. während sein vater in Russland vermisst wurde, wurde seine mutter geschoren und geprügelt und als "feldmatratze" beschimpft.


Szene aus MITTSOMMER


unter dem druck dieser verhältnisse gab sie wilhelm schnell in ein heim und ließ nie wieder von sich hören. für wilhelm begann die schlimmste zeit seines lebens. hunger, kälte und anfeindungen zeichnen diese Jahre für ihn aus. eben noch ein geliebtes kind, war er plötzlich nur noch unerwünschter ballast. diesen "verrat", dieses "im-stich-lassen" hat er seiner mutter nie verziehen.
dänemark ist für ihn synonym mit vertreibung, dem gewaltsamen ende seiner kindheit, der preisgabe von allem, was er je geliebt hat. dieser vergangenheit wollte er nie wieder begegnen. nur weil sein musikalisches talent in jungen Jahren erkannt wurde, konnte wilhelm in seinem leben festen boden fassen.


Szene aus MITTSOMMER


nun zwingt ihn die not mit dem abstand von dekaden zurück, und es kommt, wie es kommen muss. wilhelms alte wunden werden aufgerissen. und das tut weh. der weg aber, den er damit gezwungen ist zu gehen, hilft ihm sein eigenes rastloses leben zu verstehen, seine flucht aus den ehen, seine arbeitswut, sein völlig disparates verhältnis zu seinen eigenen kindern. das stück, das er als mittsommernachtskonzert dirigieren soll, ist beethovens neunte mit der "ode an die freude". es wird ihm, wie die menschen, denen er begegnet, hilfe und ansporn.


Szene aus MITTSOMMER




buch: jobst christian oetzmann
produktion: filmpool, iris kiefer

gefördert von der filmstiftung NRW



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