zum tv-film delphinsommer:

ein film von jobst c. oetzmann
nach dem drehbuch von regine bielefeld

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"delphinsommer" erzählt die geschichte von nathalie (anna-maria mühe), die in einer restriktiven christlichen glaubensgemeinschaft mit dem namen "kirche des herrn" aufwächst und sich gegen den willen ihrer eltern (birge schade und samuel finzi), daraus befreien möchte.

Szene aus DELPHINSOMMER


"die 'kirche des herrn' ist eine mischung aus verschiedenen restriktiven gruppierungen, die sich in der tendenz, wie sie mit ihren gemeindemitgliedern umgehen, alle ähneln", sagt die autorin regine bielefeldt. "das ist eine mischung aus unterdrückung des individuums, einreden eines schlechten gewissens oder beschäftigt halten."

Szene aus DELPHINSOMMER


eine bestimmte gruppe sollte nicht portraitiert werden, um einerseits nirgendwo hin führende prozesse zu vermeiden und andererseits den schwerpunkt der geschichte - die abnabelung - erhalten zu können. "
 
'delphinsommer' erzählt eine doppelte abnabelung: aus der gemeinschaft und hin zur eigenen identität", so regine bielefeldt, die zugleich betont, dass nathalie nicht aus der gemeinschaft fliehen will, weil sie ihr nichts bedeutet bzw. gibt.
 
erst durch den umzug der ganzen familie von der schwäbischen provinz nach berlin wird nathalie weltlichen einflüssen ausgesetzt.

Szene aus DELPHINSOMMER


obwohl sie versucht sich gegen diese einflüsse zu wehren, nehmen sie doch überhand: sibille (sophie rogall), ein mädchen aus der gemeinde und nathalies beste freundin, begeht selbstmord, nachdem ihre pläne, ein leben außerhalb der kirche zu führen, scheiterten; ein junge aus ihrer schule weckt irritierende gefühle und auch ihr leiblicher vater taucht plötzlich auf.

Szene aus DELPHINSOMMER


als sich nathalie ebenfalls für ein leben fern ihrer kirche entscheidet, versucht ihr stiefvater sie mit aller gewalt wieder "auf den rechten weg" zu bringen.




die idee zu dem stoff entstammt der zeitungslektüre. "es gibt notizen in der zeitung, die einen nicht mehr los lassen", erzählt die producerin michaela nix.
 
die idee unterbreitete sie dem redakteur wolf-dietrich brücker, der den gesellschaftlich relevanten stoff so interessant fand, dass er eine ausarbeitung sehen wollte.
von seiner seite gab es zwei elemente, die die ausarbeitung berücksichtigen musste: es musste auch das schicksal eines erwachsenen berücksichtigt werden und der film durfte nicht zu düster sein.
 
michaela nix hat dann die autorin regine bielefeldt, die sie aus einer früheren zusammenarbeit kennt, angesprochen.
 
der gewünschte erwachsene ist ein vater, dessen tochter mit der mutter in einer religiösen gruppe lebt, wodurch er keinen zugriff mehr auf sie hat. den zweiten wunsch zu berücksichtigen war schon schwieriger.

Szene aus DELPHINSOMMER


"wenn man halbwegs ehrlich ist, ergibt die geschichte eine eigendynamik, dass einem die spucke weg bleibt", sagt regisseur jobst oetzmann.
 
"'delphinsommer' wird ein bedrückender film werden, der die härte des themas spüren lässt. viele zuschauer werden überrascht sein, da sie es nicht gewohnt sind sich mit solchen themen auseinander zusetzen. wir denken immer, alles geht - doch das ist nicht so, es gibt viele, die sich gerne strengen regeln unterwerfen."
 
regine bielefeld begründet diese sehnsucht nach halt mit dem vakuum an spiritualität und werten, der mit dem abwenden von religion einher geht:
 
"man weiß in einer säkularen welt nicht mehr was gut und böse ist. viele leute können heute nicht nachvollziehen, dass es menschen gibt, für die kirche eine notwendigkeit darstellt, weil sie ihre bedürfnisse erfüllt. wir stellen unsere gruppierung im film nicht als böse dar, sondern nur ihre auch aus körperlicher züchtigung bestehenden mechanismen an unterdrückung des individuums."

Szene aus DELPHINSOMMER


teil des verständnisses der "kirche des herrn" ist auch soziale arbeit. "uns war es wichtig zu zeigen, dass ein leben in einer strengen gemeinschaft auch erfüllung bieten kann", sagt jobst oetzmann, "und sich sozial zu engagieren, ist eine durchaus ehrenwerte sache."




der titel "delphinsommer" ist ein sehnsuchtsmotiv.
 
sommer bezieht sich auf die jahreszeit, in der die geschichte spielt; delphin auf die einzige erinnerung, die nathalie an ihren vater hat, der mit ihr als kleines kind ein delphinarium besuchte.

Szene aus DELPHINSOMMER


"delphinsommer" wurde an 23 tagen gedreht. kameramann war volker tittel. um mittel zu sparen, wurde ein sehr "intelligenter drehplan", so jobst oetzmann, ausgearbeitet, der schon mal drei verschiedene wohnungen in einem motiv vorsah. hinzu kam eine intensive vorbereitung des regisseurs von zehn wochen - inklusive gespräche mit den schauspielern.
 
"ich bereite mich gerne lange vor, um in das thema eintauchen und mit ihm warm zu werden", sagt jobst oetzmann, "wenn ich die parameter der produktion kenne, kann ich auch besser mitdenken."
 
dazu gehört es auch sich gedanken über die welt zu machen, in der der film spielt und sie überzeugend zu inszenieren.

Szene aus DELPHINSOMMER


"mit den mitteln, die uns zur verfügung standen, konnten wir die repressive atmosphäre herstellen. so haben wir etwas geschaffen, das der sache gerecht wird und etwas besonderes ist", sagt jobst oetzmann.
 
große aufmerksamkeit erhielt etwa eine in einer fahrt gedrehte taufszene in einem schwimmbad - sie musste drei mal wiederholt werden, genauso oft wie trockene ersatzkostüme vorhanden waren.
 
eine andere szene spielt auf einem 25 stock hohem gebäude. die technik inklusive kran musste die letzten zwei stockwerke durch enge notkorridore und türen getragen werden und oben wehte obendrein ein starker wind.

Szene aus DELPHINSOMMER






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