zum arbeit am tv-film delphinsommer

ein film von jobst c. oetzmann
nach dem drehbuch von regine bielefeld

es waren zwei dinge, die mich überzeugt haben, diesen film anzunehmen. das ist zum einen das thema sekten und zum anderen die erzählerische binnen-perspektive, für die sich das buch von regine bielefeld entschieden hatte. dass es viele sekten in deutschland gibt, war mir durchaus bewusst, dass es dort aber so viel gewalt und unterdrückung gibt, war mir in diesem ausmass nicht klar.

dieses eins-zu eins zu beschreiben erschien mir weder klug noch angemessen. in der inszenierung bin ich dem weg des buches gefolgt und beschreibe zuerst die welt der nathalie als eine glückliche, verständnis- und liebevolle. die äusserlichkeiten sollten den blick auf die dramatik der geschichte nicht verstellen, sie sollten es dem zuschauer leicht machen, einen blick hinter die kulissen einer solchen gemeinschaft zu werfen und verstehen lassen, was diese menschen miteinander verbindet.

kostüme, schauplätze und der umgang der figuen miteinander sollten nicht von vorneherein dunkel und unheimlich wirken. das leben in dieser gemeinschaft sollte heiter und von liebevollem gemeinsinn geprägt sein.

so war es wichtig, das neue zuhause von nathlie als hell und freundlich einzuführen. meine wahl fiel auf einen grosszügigen altbau aus den dreissiger jahren mit einem schönen garten, wie man ihn sich für seine familie nicht besser wünschen kann. die kostüme sind nicht vom mottigen charme der dreissiger jahre gezeichnet, sondern geschmackvoll, ohne modisch zu sein, modern, ohne poppig zu wirken. die kleidung der figuren sollte signalisieren: wir stehen im leben und nicht daneben.

die probleme beginnen für die hauptfigur nathalie, als sie an die grenzen des selbstverständnisses ihrer gemeinschaft stösst. hier hört plötzlich alles liebevolle auf. eine kategorische härte und entschlossenheit erstickt jede toleranz. die inszenierung folgt dieser härte, indem sie die hauptfigur nun wirklich in die dunkelheit geraten lässt.

die szenen, in denen sich dies dingfest machen lässt, sind die szenen in der kirche. bei der suche nach einen gemeindesaal für die "kirche des herrn" habe ich mich schliesslich für einen original-gemeindesaal aus den sechziger jahren entschieden, dessen zwei längsseiten völlig aus glas bestanden. die architektur dieses saals und die möglichkeit, diese glasfronten ganz oder teilweise mit vorhängen verschliessen zu können, sollte uns ermöglichen, die lichtstimmungen sowohl am tag wie in der nacht präzise zu steuern. es musste sowohl möglich sein, die gemeinde darzustellen, wenn ihre welt noch in ordnung ist, wie auch dann, wenn nathalie plötzlich ihrer repression ausgesetzt ist.

kameramann volker tittel entschied sich beim filmmaterial für kodak, um freundliche hauttöne und satte warme farben gezielt gegen später zum zuge kommende kalte und dunkle stimmungen stellen zu können.
 
ebenfalls bei der kamera haben wir leichte tele-objektive gewählt, um einerseits nah an den gesichter der darsteller zu sein und sie andererseits mit hilfe der schärfe aus ihrem umfeld herauszuschälen, um so eine dichte und konzentrierte atmosphähre entstehen zu lassen.

die inszenierung richtet sich dabei konsequent auf die von anna maria mühe gespielte nathalie: der blick der kamera ist frontal gegen sie gerichtet, wenn nathalie sich behaupten muss, und er ist von der seite auf sie gerichtet, wenn es darum geht, die eigentlichen, inneren befindlichkeiten der figur zu erforschen und dem zuschauer nahezulegen.

die musik von fabian römer folgt vor allem diesen momenten, dem inneren leitstrang der hauptfigur und den dingen, die ihr zustossen. sie begleitet auch die musik von nelly furtado, die in den tanzszenen eingespielt wird, wenn nathalie für sich eine neue welt voller lebensfreude erobert.

die inszenierung hat dabei immer das ziel vor augen, die figur nathalie im zentrum zu halten und jede situation zuerst aus ihrer warte zu zeigen. ihre emotion ist wichtig, ihre blicke kommentieren alles geschehen und sollen den zuschauer mit auf die reise in ihre welt nehmen.

jobst c. oetzmann
okt.2004




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